Wanderschuhe und andere Erzählungen by Anna Schieber

(17 User reviews)   7105
By Rebecca King Posted on Jan 2, 2026
In Category - Faith & Religion
Schieber, Anna, 1867-1945 Schieber, Anna, 1867-1945
German
Have you ever wondered what life was like for ordinary people in turn-of-the-century Germany? Not the grand historical figures, but the shoemakers, the teachers, the young women finding their way? That's exactly what Anna Schieber captures in 'Wanderschuhe und andere Erzählungen' (Wandering Shoes and Other Stories). This collection feels like opening a forgotten family album. Through quiet, beautifully observed moments, Schieber shows us the small rebellions, quiet heartbreaks, and simple joys of everyday life. It's a gentle, insightful look at a world on the cusp of modernity, told by a writer who clearly knew the human heart. If you enjoy character-driven stories with a strong sense of time and place, you'll find a real treasure here.
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ich erzähle dir nachher davon, da du doch auf Geschichten erpicht bist. Nein, nein, laß nur, das wissen wir noch von früher her. Und im Grunde, was ist uns auch näher, als der andern Menschen Geschichte, Lust und Leid, Arbeit, Liebe und Tod?« Der Gast nickte. So war der Pfarrer immer gewesen; unter allen Interessen waren ihm die, die des Menschen Schicksale betrafen, am nächsten gestanden. So war er warmen Herzens ein Vater seiner Gemeinde geworden, ihn konnte man wohl so nennen, es war keine Phrase. Nun läuteten die Glocken zusammen. Draußen der Nebel war dicht und dichter geworden. Der Gast stand am Fenster, das auf den Kirchhof ging und sah, wie sich die Schulkinder mit dem Lehrer um einen aufgeworfenen Hügel versammelten, und wie ein kleiner Leichenzug zu dem unteren Tor herein kam, wie sich der Pfarrer zu ihm gesellte und wie der Sarg, auf dem ein einziger Kranz lag, niedergestellt wurde. Ein Mann mit einem kleinen Bübchen auf dem Arm stand zunächst des Sarges; das mußte der Hauptleidtragende sein. Das alles sah der Gast nur in schattenhaften Umrissen, es war alles dicht eingehüllt in den Nebel, und aus dem Nebel heraus drangen auch dünn und wie verschwommen die Stimmen der singenden Kinder, dann die tiefe Stimme des Pfarrers. In der Stube war es heimelich warm und die Bücherschränke übten ihre Anziehungskraft aus; bald saß der Gast mit einer seltenen Ausgabe der Aeneide im Sofa, aus deren altertümlichen Kupfern er erst den Blick wieder erhob, als der alte Pfarrer vor ihm stand. Der kurze Novembertag ging schon stark zur Neige, und, als müßte es so sein, fielen nun weich und lautlos die Schneeflocken vom Himmel und legten sich auf das neue Grab da draußen, in dem ein unruhiges Menschenherz war zur Ruhe gelegt worden. »Nein, kein Licht, Ursel,« sagte der Pfarrer, als die alte Magd mit der Lampe erschien, »wir wollen im Dämmer sitzen und uns Geschichten erzählen.« Dann, als die Pfeifen brannten, fing er an: »Es war so ein Tag wie heut, das ist nun drei Jahre her. Ich weiß es wohl noch. Wir hatten die beiden ältesten Enkelkinder da, die spielten um den Tisch herum und jauchzten laut, daß es meiner Frau und mir zumute war, als kämen die alten Zeiten noch einmal herauf, wo unsere Eigenen so herumtollten. Über dem ging die Tür auf; wir hatten ein leises Klopfen überhört, und in dem Rahmen stand ein junges Zigeunerweib. Ursel war an den Brunnen gegangen und hatte die Haustür solange offen gelassen, so war die Fremde unberufen bis in die Wohnstube gekommen. Die Kinder verstummten in ihrem Jubel und hingen sich meiner Frau an das Kleid. Ich habe schon viele aus diesem fahrenden Volke gesehen, Siegfried, es hat immer mein Herz bewegt, daß sie sind wie die Wanderschwalben, immer mit dem Trieb in die Ferne, und doch mit der Sehnsucht nach einer Heimat. Aber die hier stand und bittend die Hand ausreckte, die war so das Urbild eines Mädchens aus der Fremde, ein blütenjunges Weib, dem in dem bräunlichen Gesicht Lippen und Wangen in einem matten Rot leuchteten und dem aus dem bläulichen Weiß die Augensterne in einem feuchten, goldenen Braun hervorglänzten, die noch schlanke, junge Gestalt in ärmliche, doch etwas phantastische Gewänder gehüllt. Ich weiß das noch so genau, denn dieses junge Weib ist hernachmals noch oft in meinen Weg getreten und immer sah ich an ihr das Fremdartige, das sich in die Ferne sehnte und doch aus der Ferne wieder zurückstrebte, das Rätsel der Menschenseele, die ein Zuhause sucht durch alle Welt hindurch. Für jetzt bat sie nur in fremdartig klingender Sprache um etwas alte...

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First published in 1906, Anna Schieber's collection of stories offers a window into a world that feels both distant and strangely familiar. These aren't tales of grand adventure, but quiet portraits of ordinary Germans—often women—navigating the expectations of family, society, and their own hearts at the dawn of the 20th century.

The Story

The title story, 'Wanderschuhe,' follows a young woman whose spirit yearns for more than her confined domestic life. It's in the small, symbolic act of putting on a pair of sturdy walking shoes that she finds a sense of freedom and possibility. Other stories in the collection touch on themes of love, duty, artistic passion, and the subtle tensions between tradition and the slowly emerging modern world. Schieber has a remarkable eye for the details that define a life: the weight of a glance, the significance of a kept promise, the quiet drama of a personal choice.

Why You Should Read It

Schieber's greatest strength is her empathy. She writes about her characters without judgment, allowing us to understand their hopes and their compromises. Reading this feels like listening to a wise, observant friend tell stories about people she knew. There's a gentle melancholy here, but also a resilient warmth. You get a real sense of the social fabric of the time—what was expected of people, especially women, and the small ways they carved out space for themselves.

Final Verdict

This book is perfect for readers who love immersive historical fiction that focuses on character and atmosphere over plot twists. If you enjoyed the quiet realism of writers like Willa Cather or Theodor Fontane, you'll appreciate Schieber's work. It's a slow, thoughtful read, best savored with a cup of tea. While it provides a fascinating historical perspective, its true power lies in its timeless exploration of the human desire for purpose, connection, and a little bit of freedom.



🟢 Usage Rights

There are no legal restrictions on this material. Access is open to everyone around the world.

Elijah Walker
1 year ago

I stumbled upon this title and the narrative structure is incredibly compelling. Truly inspiring.

Emily Rodriguez
1 year ago

Clear and concise.

Kenneth Thomas
1 year ago

Essential reading for students of this field.

Donald King
1 year ago

I had low expectations initially, however it manages to explain difficult concepts in plain English. This story will stay with me.

Betty Hernandez
1 year ago

Amazing book.

4.5
4.5 out of 5 (17 User reviews )

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